19 | 11 | 2019

Schweden 2010

Dalsland-Kanal in Schweden

5.07. Martin schreibt

Heute lassen wir uns mal wieder etwas Zeit mit dem Aufstehen und dem Frühstücken. Zum einen, weil unser gestriger Aufbruch wegen des Regens so früh und so hektisch war. Zum anderen aber auch, weil wir die letzten Tage unserer Reise insgesamt etwas ruhiger angehen lassen wollen, um die Eindrücke noch einmal ganz tief einzusaugen.

Gestern Abend haben wir zu Viert auf einem kleinen Felsplateau neben der Schutzhütte gesessen und schweigend eine halbe Stunde das warme Licht der sinkenden Sonnegenossen, dass sich auf dem glatten See spiegelte. Wer solche Momente nicht genießen kann lebt am Leben vorbei!

Heute also eine überschaubare Etappe, allerdings mit 2 Umtragestellen. Kaum sind wir dann aber auf de

m Wasser, packt uns doch noch ein bisschen der Ehrgeiz. Die vielen Paddler, die ihre Tour am Vortag bei unserer Mittagspause begonnen hatten, waren nachmittags im Schneckentempo an unserem Biwakplatz vorbeigepaddelt. Es entbrannte eine rege Diskussion darüber, wie weit sie es wohl noch schaffen würden, und jetzt auf dem Wasser stellt sich die Frage, ob wir sie noch einholen würden.

Im Eiltempo durchpaddeln wir den Svardlang Richtung Norden, vorbei am toten Elch vom Vortag, bis wir bei bestem Wetter an der Umtragestelle und dem Biwakplatz ankommen, den wir gestern Morgen im strömenden Regen hinter uns gelassen haben. Bereits aus der Ferne erkennen wir die Truppe vom Vortag. Da die aber schon die meisten Boote umgetragen haben, stellen wir uns brav hinten an. Unmittelbar nach dem Umtragen hätten wir sie dann Überholen können, aber Karolin und Lars brauchen ja nach jeder Umtragestelle ewig, um sich wieder ins Boot zu Sortieren. Ach wie praktisch sind Canadier!

So starten wir ca. 15 Minuten nach unseren „Gegnern“ und trotzdem holen wir sie auf dem kurzen Stück bis zur nächsten „Kreuzung“ schon wieder ein, bevor wir nach Westen abbiegen. Hier, auf dem südlichen Zipfel des Västra Silen haben wir es mit einem ganz anderen Gegner zu tun, der uns auf dem Lelang noch beschäftigt: Gegenwind! Doch zunächst hießt es schon wieder Umtragen. Zum Glück über weitestgehend asphaltierte Strecken, aber dafür fast 1 Kilometer! Die Einsetzstelle begrüßt uns neben dem Wind zusätzlich mit hohen Wellen, die von Westen in die kleine Bucht drücken. Und wir müssen einmal quer über`n See! Während der Überfahrt gibt es den einen oder anderen bangen Augenblick, vor allem, als die Wellen plötzlich ohne ersichtlichen Grund aus mehreren Richtungen gleichzeitig kommen. Fetzen aus dem We-no-nah-Prospekt schießen mir durch den Kopf: Sundowner…Stehaufmännchen…

extrem trockener Lauf…fast unmöglich zu Kentern! Nun denn, die Hoffnung stirbt zuletzt, also weiterpaddeln! Letztlich ist dann nicht ein Tropfen Wasser ins Boot geschlagen und eigentlich war´s ein cooler Ritt!

Endlich am geplanten Biwakplatz angekommen besetzen wir sofort die Schützhütte.

Es ist schon deutlich mehr los, als noch vor einer Woche und wir wollen das Zelteaufbauen gern umgehen. Lieber noch einmal im Schlafsack liegend das faszinierende Licht einer Mittsommernacht genießen. Und tatsächlich wird uns am Ende eines langen (vom regelmäßigen Auftauchen eines motorbootfahrenden Anglers unterbrochenen) Lagerfeuerabends ein blau-rötlicher Testschein der Sonne geschenkt, während gleichzeitig der Mond sein Licht in den Spiegel des glatten Sees wirft.