23 | 07 | 2019

Schweden 2010

Dalsland-Kanal in Schweden

2.07. Martin schreibt

Die Tourenänderung, die wir aufgrund der nassen Nacht von Dienstag auf Mittwoch geplant haben, sieht vor,

dass wir statt nach Norwegen (westlich) noch einen größeren Schlenker nach Osten, in den Västra Silen und von dort in den Östra Silen machen. Das bedeutet für heute etwas über 20 Kilometer Paddelstrecke gepaart mit 2 Schleusen und einem Einkaufsstop in Gustavsfors. Das Wetter hält, was die I - Phone - P

rognose verspricht: strahlend blauer Himmel, keine Wolke am Himmel, kaum Wind und eine für schwedische Verhältnisse irre Hitze. Bereits beim morgendlichen Beladen der Boote komme ich ins Schwitzen, und das obwohl ich bis zu den Knien im angenehm kühlen Wasser stehe. Der Tag wird entsprechend anstrengend.

Das kurze Stück auf dem Lelang bis zur Kanaleinfahrt nach Gustavsfors ist schnell geschafft. Bevor wir schleusen, legen wir mit breiter Brust am Gästesteg an und machen unsere Boote fest. Eigentlich ist der Steg für Motorboote gedacht und auf halbem Weg zum Supermarkt plagen uns erhebliche Zweifel, ob das klug war, als wir aus der Ferne mit Ansehen wie ein Motorboot direkt neben unseren Booten anzulegen versucht. Doch offensichtlich hat der Freizeitkapitän sein Vehikel im Griff, denn wir können keinerlei Schäden feststellen.
Der Einkauf beschert uns neben den alltäglichen Dingen des Lebens vor allem 2 besondere Freuden: Zum einen haben wir endlich einen Block gekauft, um diese Tageseindrücke festzuhalten. Zum anderen wissen wir nun endlich, dass unsere Nationalmannschaft ihr morgiges Viertelfinalspiel gegen Argentinien bestreiten wird!

Auf dem neusten Stand was Lebensmittel und Informationen angeht, machen wir uns auf den weiteren Weg. Der Västra Silen präsentiert sich, abgesehen von wenigen in der Ferne fahrenden Motorbooten, menschenleer. In völliger Ruhe, die nur vom Plätschern unserer Paddel unterbrochen wird, gleiten wir über den riesigen See nach Süden. Kurz hinter der Kirche von Värvik, deren weißer Turm mit dem goldenen Kreuz über der kleinen Insel leuchtet, auf der nur die Kirche steht, queren

wir den See zur Schleuse nach Krokfors. Die aus Natursteinen gebaute Schleuse überwindet in 2 Stufen die 5 Meter Höhenunterschied zum Östra Silen, dessen Ruf als einer der beliebtesten Seen des Dalslandgebietes unsere Neugier geweckt hat. Schnell stellen wir fest, dass er seinem Ruf gerecht wird, allerdings mit unangenehmen Folgen. Hier wimmelt es nur so von Paddlern! Die ersten 2 Versuche einen Biwakplatz anzusteuern scheitern. Jeder der Plätze ist bereits von mehreren Reisegrüppchen besetzt. Erst im dritten Anlauf finden wir ein brauchbares Plätzchen, und beim Aufbauen der Zelte fahren zahlreiche Paddler mit ähnlichen Sorgen an uns vorbei. Hier ist es uns einfach zu voll!

Immerhin bietet der Platz, wie fast alle Plätze hier, die Möglichkeit, die Hitze des Tages bei einem ausgiebigen Bad im See einfach abzuspülen.
Das anschließende, mit viel Liebe und dem Gaskocher von unseren Damen zubereitete Abendessen, leitet den Abend ein, den wir mit den letzten Tropfen Whisky am Lagerfeuer beschließen. Beim Ins - Zelt - Wanken sind wir wieder einmal vom skandinavischen Sommer fasziniert. Während auf der einen Seite der Mond hell scheint, steht auf der anderen Seite die Sonne kurz nach ihrem Untergang schon wieder zum Aufgehen bereit (1:00 nachts!).