23 | 07 | 2019

Schweden 2010

Schwedentour 2010

Endlich wieder einmal richtig Outdoor!

Dieses Mal ist alles anders. Auch das Vorwort 2006 begann so. Und auch dieses Mal ist zum Glück alles anders, denn es kann schon sehr frustrierend sein aufgrund von Erinnerungen mit hohen Erwartungen in eine bekannte Gegend aufzubrechen und dann enttäuscht zu werden. 

Da sich unsere Truppe zu gleichen Teilen aus alten Schwedenhasen und Schwedengreenhorns zusammensetzte, haben die Hasen versucht nicht allzu viele Erinnerungen Einfließen zu lassen und sich darauf konzentriert das „Andere“ zu Genießen. Was uns gemeinsam widerfahren ist könnt Ihr, und das ist genauso wie beim letzten Mal, wieder in wöchentlichen Kapiteln erfahren. Oder Ihr wartet auf die Gesamtausgabe im nächsten Rundschreiben! 

In diesem Sinne wünsche ich allen viel Spaß beim Lesen und einige spannende Wochen. 

Martin Roschke

 


Dalsland-Kanal in Schweden

26.06. Martin schreibt

Endlich ist es soweit. Die lang geplante Tour nach Schweden beginnt. Heute zunächst mit den letzten Vorbereitungen. Da wir morgen bereits um 5:00 morgens starten wollen,  werden sowohl die Boote als auch sämtliches Gepäck bereits heute ins Auto verfrachtet. Um den Zeitrahmen möglichst in Grenzen zu Halten, haben wir uns aufgeteilt: während Miriam und Karolin sich um die Einkäufe kümmern, sortieren Lars und Martin das technische Equipment. Dabei ist einiges zu Bedenken:

Schwimmwestenpflicht in Schweden, Ersatzpaddel für Kajak und Canadier, Bootsleinen für jedes Boot, Bootswagen mit aufgepumpten Reifen für die vielen Umtragestellen und schließlich die Paddel und Boote selbst. Und wieder einmal stellen wir fest, wie schnell sich ein großer Haufen Zubehör bildet und gleichzeitig kommt die bange Frage auf, ob es tatsächlich klug war auf den angebotenen VW-Bus zu Verzichten und stattdessen nur mit einem (zugegebenermaßen großzügig bemessenen) PKW zu Fahren. Aber letztendlich passt doch alles rein, und das, obwohl die Damen bei ihren Einkäufen nicht gegeizt haben (auch wenn ihnen der Preis für 2 Literflaschen Whisky beinahe die Sprache verschlagen hätte), und außerdem noch die Urlaubstasche von Miriams und Martins Tochter Frederike mit muss. Die wird nämlich unterwegs an die Großeltern übergeben. Zum Schluss noch die Boote aufs Dach und fertig. Alles klar zur Abfahrt!


Dalsland-Kanal in Schweden

27.06. Martin schreibt

4:00 morgens, ich schalte den Fernseher aus. Schnell noch mal Duschen (es wird wohl für einige Tage die letzte Dusche sein). Dann die letzten Vorkehrungen: Brötchen schmieren, Zahnbürste einpacken, Packliste noch mal durchgehen, Frederike aus dem Bett schmeißen, losfahren. Wie immer kann man die Uhr nach uns stellen: 15 Minuten nach der verabredeten Zeit holen wir Karolin und Lars zu Hause ab. Die Vahrenwalder Strasse wirft uns am Sonntagmorgen um Halb sechs keinerlei Hindernisse in den Weg, als wir uns auf den Weg nach Norden machen. Auch die Autobahnen sind angenehm leer und die Fahrt verläuft ohne Zwischenfälle. Boote fest, Motor läuft, keine Staumeldungen, alles gut. Gegen 6:20 wird Frederike unterwegs in die Obhut der Großeltern übergeben. Ein kurzer Abschied und schon müssen wir weiter, denn die Fähre wartet nicht. Und bis Frederikshavn sind es noch 500 Kilometer. Zum Glück verläuft die Fahrt weiterhin nahezu reibungslos. Auch ein kurzes Missverständnis des Fahrers zum Thema Tankanzeige konnte Dank einer nahe gelegenen Tankstelle ohne weitere Folgen geklärt werden, so dass wir mehr als rechtzeitig die Fähre nach Göteborg erreichen. Nach kurzer Wartezeit verschwinden wir mit zahllosen LKW´s im Bauch des Schiffs, das pünktlich ablegt.

Unsere erste Aufgabe an Bord besteht darin herauszufinden, wo wir das Achtelfinalspiel gegen England sehen können. Tatsächlich gibt es eine Leinwand mit Beamer, auf der wir wenigstens die 1. Halbzeit verfolgen. Die 2. Hälfte hören wir bereits im schwedischen Radio. Bester Stimmung dank des 4:1-Erfolgs unserer Nationalmannschaft erreichen wir um 19:30 unseren Campingplatz. Das gute Wetter, bei dem wir frühmorgens in Hannover gestartet sind, hat sich bis hierher nicht verändert, und die Prognosen für die nächsten Tage sind ebenfalls gut. Viele Gründe also, um beim ersten Zeltaufbau mit der Erholung zu beginnen.


Dalsland-Kanal in Schweden

28.06. Karolin schreibt

Das Abenteuer Schweden kann beginnen! Die erste Nacht in dem skandinavischen Land liegt hinter uns. Gott sei Dank hatte ich noch eine 5-Kronen Münze und konnte Duschen gehen. Lars hat den Survivalurlaub mit einem zünftigen Bad im See begonnen.

Gegenhalb elf sind die Boote gepackt, der Campingplatz bezahlt und die obligatorische Naturreservatskarte erworben. Bei herrlichstem Sonnenschein geht es los von Bengtsfors über den Lelang. Nur selten kommen uns andere Paddler entgegen, meist in den Alu-Canadiern der lokalen Verleiher.

Zweimal halten wir unterwegs an Biwakplätzen, um Pause zu machen und die Sonne zu genießen. Martin und Miriam erzählen unterwegs wie es vor vier Jahren war, als sie schon einmal mit dem Kanuclub in Schweden waren. Sie hatten nicht zuviel versprochen und unsere Route sehr gut geplant. Wir brauchten uns um Nichts zu Kümmern.

Für den ersten Abend halten wir auf einem sehr schönen Biwakplatz auf einer Halbinsel. Die Hütte liegt mit der offenen Seite zur Bucht. Auf der Rückseite kann man zum anderen Ufer sehen; dort rastet ein Motorboot.

Mit einem gemütlichen Lagerfeuer und Nudeln in Käsekräutersauce lassen wir den ersten Abend in der freien Natur ausklingen.  Das Wetter erlaubt auch, dass wir kein Zelt aufbauen müssen und stattdessen in der Hütte schlafen.

 


Dalsland-Kanal in Schweden

29.6. Miriam schreibt

"Blomma, schönes Wetter, zwei Umtragestellen, Abends Regen"

Frisch und fröhlich nach einer Nacht in der Hütte, wo wir zeitweise von Mücken und Ähnlichem zerfetzt wurden, starten wir halbwegs ausgeruht die 2. Etappe bei Sonnenschein und leichtem Wind Richtung Blomma. Dort angekommen suchen wir den Ausstieg für die erste Umtragestelle des Tages. Martin konnte leider nicht wissen, dass Paddler den kleinen Kanalabschnitt zur Strasse nicht mehr paddeln dürfen, also Umtragestelle = 2,5km!!! Wie gut, dass wir alle intakte Bootswagen haben! Am Wegesrand fürs Auge: Lupinen und Pippi-Langstrumpfhäuser, wie schön!!!

Einsatzstelle gefunden, weiter geht´s auf dem Wasser, auf zur nächsten Umtragestelle. Diese ist zwar nur ca.200-300 Meter lang, geht dafür aber über Stock und Stein und Wurzeln zur Strasse hoch, über die Strasse und runter zum Wasser. Vier nette, junge Burschen helfen uns, das Boot über die ersten Wurzeln zu ziehen, danke! Weiter geht es zum nächsten Platz! Oh wie schön, nachdem wir zwei pausierende Paddler vertrieben haben, können wir den Platz + Hütte + Feuerstelle + Klo einnehmen. Nachdem die Boote entladen sind, geht es ins kalte Wasser, Baden!

Danach ein leckeres Essen, Kartoffelpüü und Würstchen. Leider zieht sich danach der Himmel zu. Auf mein Anraten hin bauen wir das Tarp auf – keine Minute zu spät, denn der Wolkenbruch geht los! Leider müssen wir das Tarp noch mal umbauen, da es in die Hütte, in der wir schlafen wollen reinregnet. Als das Tarp richtig steht, legen wir uns auch bald hin, nur, um dann festzustellen, dass die Hütte undicht ist. „ Tropf – Tropf – Tropf“ – so geht es die ganze Nacht, was uns leider nur ca. 3 Stunden Schlaf beschert – außer Martin, der als einziger eine trockene Ecke erwischt hat! Oh man!!!

 


Dalsland-Kanal in Schweden

30.06. Miriam schreibt

Nach einer (wie schon geschildert) absolut nassen Nacht frühstücken wir mit dicken Augen und mäßigem Appetit. Das Wetter hat sich leider nicht verbessert, es regnet mal mehr, mal weniger. Wir packen unsere Sachen schnell zusammen, weil wir eigentlich nur noch los wollen.

Bei mäßigem Regen starten wir unsere 3. Etappe. Umtragestelle, auch ca. 3 Kilometer lang, und das bei strömendem Regen!!! Das ist kein Vergnügen. Dann wieder eingesetzt, weiter geht es. Es macht sich bei mir und Karolin schnell eine Müdigkeit bemerkbar, deren Ursache sicherlich in der letzten Nacht liegt. Daher entschließen wir uns, unsere Tour, die eigentlich heute bis Norwegen gehen sollte, zu Verkürzen. Somit landen wir auf Platz 13, auf einer Insel im Foxen. Ein sehr schöner Platz, viel Weite, 2 Feuerstellen und leicht abfallende Felsen zum Wasser. Wunderschön!!! Auch die Sonne lässt sich wieder blicken, noch schöner! Und der Duft, der in der Luft liegt ist einmalig, nach Waldboden und Tannennadeln. Dieser Duft begleitet uns ständig auf unserer Tour, und wenn ich könnte, würde ich ihn einfangen und mit nach Hause nehmen! Übrigens: Heute haben wir die Zelte wieder aufgebaut, man weiß ja nie!

 


Dalsland-Kanal in Schweden

1.07. Karolin schreibt

Nach dem gestrigen Regentag strahlt uns heute wieder die Sonne an. Der Biwakplatz auf einem Plateau hoch oben über dem See bietet einen fantastischen Ausblick.
Auf dem Tourenplan steht heute ein Ausflug in die Zivilisation. Wir paddeln bis nach Lennartsfors und schleusen dort über 3 Kammern in den nächsten See. Gleich hinter der Schleuse legen wir an einem Steg an und machen uns auf den Weg zum nahe gelegenen Supermarkt- einen kleinen Tante - Emma - Laden mit sage und schreibe 4 Verkäuferinnen! Das wäre in Deutschland undenkbar. Wir kaufen das Notwendigste an Lebensmitteln ein – unter Anderem Marabou Schokolade und Cola. Außerdem laden die Bänke und Tische neben der Schleuse zur Mittagspause ein. Gott sei Dank spenden die Bäume ein wenig Schatten während der Mittagshitze als wir unsere Brote essen. Selbst hier gibt es nur ein Plumpsklo, aber eines von der feinen Sorte! Mit Fenster und Gardine, sowie Blick auf den See. Selbst Toilettenpapier mit Herzchen ist vorhanden.

Auf glasklarem und spiegelglattem Wasser paddeln wir ruhig – jedes Boot für sich – den ganzen Nachmittag lang. Die Natur hier mit ihren Felsen und Wäldern ist einfach atemberaubend.

Die Nacht verbringen wir wieder auf dem gleichen Platz wie am ersten Abend. Martin hat ein wenig mit einem Schwindel zu kämpfen. Also essen wir erstmal nur zu dritt zu Abend. Es gibt Reis mit chinesich - scharfer Uncle Ben´s Sauce.

 


Dalsland-Kanal in Schweden

2.07. Martin schreibt

Die Tourenänderung, die wir aufgrund der nassen Nacht von Dienstag auf Mittwoch geplant haben, sieht vor,

dass wir statt nach Norwegen (westlich) noch einen größeren Schlenker nach Osten, in den Västra Silen und von dort in den Östra Silen machen. Das bedeutet für heute etwas über 20 Kilometer Paddelstrecke gepaart mit 2 Schleusen und einem Einkaufsstop in Gustavsfors. Das Wetter hält, was die I - Phone - P

rognose verspricht: strahlend blauer Himmel, keine Wolke am Himmel, kaum Wind und eine für schwedische Verhältnisse irre Hitze. Bereits beim morgendlichen Beladen der Boote komme ich ins Schwitzen, und das obwohl ich bis zu den Knien im angenehm kühlen Wasser stehe. Der Tag wird entsprechend anstrengend.

Das kurze Stück auf dem Lelang bis zur Kanaleinfahrt nach Gustavsfors ist schnell geschafft. Bevor wir schleusen, legen wir mit breiter Brust am Gästesteg an und machen unsere Boote fest. Eigentlich ist der Steg für Motorboote gedacht und auf halbem Weg zum Supermarkt plagen uns erhebliche Zweifel, ob das klug war, als wir aus der Ferne mit Ansehen wie ein Motorboot direkt neben unseren Booten anzulegen versucht. Doch offensichtlich hat der Freizeitkapitän sein Vehikel im Griff, denn wir können keinerlei Schäden feststellen.
Der Einkauf beschert uns neben den alltäglichen Dingen des Lebens vor allem 2 besondere Freuden: Zum einen haben wir endlich einen Block gekauft, um diese Tageseindrücke festzuhalten. Zum anderen wissen wir nun endlich, dass unsere Nationalmannschaft ihr morgiges Viertelfinalspiel gegen Argentinien bestreiten wird!

Auf dem neusten Stand was Lebensmittel und Informationen angeht, machen wir uns auf den weiteren Weg. Der Västra Silen präsentiert sich, abgesehen von wenigen in der Ferne fahrenden Motorbooten, menschenleer. In völliger Ruhe, die nur vom Plätschern unserer Paddel unterbrochen wird, gleiten wir über den riesigen See nach Süden. Kurz hinter der Kirche von Värvik, deren weißer Turm mit dem goldenen Kreuz über der kleinen Insel leuchtet, auf der nur die Kirche steht, queren

wir den See zur Schleuse nach Krokfors. Die aus Natursteinen gebaute Schleuse überwindet in 2 Stufen die 5 Meter Höhenunterschied zum Östra Silen, dessen Ruf als einer der beliebtesten Seen des Dalslandgebietes unsere Neugier geweckt hat. Schnell stellen wir fest, dass er seinem Ruf gerecht wird, allerdings mit unangenehmen Folgen. Hier wimmelt es nur so von Paddlern! Die ersten 2 Versuche einen Biwakplatz anzusteuern scheitern. Jeder der Plätze ist bereits von mehreren Reisegrüppchen besetzt. Erst im dritten Anlauf finden wir ein brauchbares Plätzchen, und beim Aufbauen der Zelte fahren zahlreiche Paddler mit ähnlichen Sorgen an uns vorbei. Hier ist es uns einfach zu voll!

Immerhin bietet der Platz, wie fast alle Plätze hier, die Möglichkeit, die Hitze des Tages bei einem ausgiebigen Bad im See einfach abzuspülen.
Das anschließende, mit viel Liebe und dem Gaskocher von unseren Damen zubereitete Abendessen, leitet den Abend ein, den wir mit den letzten Tropfen Whisky am Lagerfeuer beschließen. Beim Ins - Zelt - Wanken sind wir wieder einmal vom skandinavischen Sommer fasziniert. Während auf der einen Seite der Mond hell scheint, steht auf der anderen Seite die Sonne kurz nach ihrem Untergang schon wieder zum Aufgehen bereit (1:00 nachts!).

 


Dalsland-Kanal in Schweden

3.07. Karolin schreibt

Schland, oh Schland! Heute spielt Deutschland im Viertelfinale gegen Argentinien. Um 16:00 ist Anpfiff. Bis dahin steht bei uns allerdings noch das Paddeln im Mittelpunkt.

Heute haben wir alle für diesen Urlaub verhältnismäßig lange geschlafen. Bei Martin und Lars deutet sich aufgrund der langen Nacht mit Scotch und Zigarillos ein leichter Kater an. Da wir alle doch sehr geschafft sind, beschließen wir, heute einen Ruhetag einzulegen und nur eine kurze Runde zu drehen. Die Wetterprognose, die den bisher wärmsten Tag ankündigt, unterstützt unser Vorhaben. Schon zum Frühstück, das wir diesmal gemütlich zelebrieren, ist es drückend heiß. Zum Glück bieten die Bäume genügend Schatten. Der schwülwarme Tag mit fast 30° nimmt seinen Lauf.

Martin hat die Route verkürzt und führt uns zunächst an eine ausgewiesene Badestelle. Diese teilen wir mit einer Schwedin und ihren 5 Hunden. Ein erfrischendes Bad im kühlen Wasser des Sees kommt gerade recht. Dort verbringen wir auch unsere Mittagspause. Danach schleusen wir runter in den See, von dem wir gestern gekommen sind. Das Runter Schleusen ist wesentlich angenehmer als hoch.

Bis zu unserem Biwakplatz an einer Umtragestelle ist es dann auch nicht mehr weit. Auch sind hier viel weniger Paddler und Motorboote unterwegs.

Die Umtragestelle ist sehr schön gelegen und vor allem kurz. Die Wiese bietet viel Platz für Zelte, eine Feuerstelle und sogar 2 Toiletten und einen Müllcontainer. Auf der einen Seite der Wiese steht bereits ein Tippiähnliches Zelt, das zu einer Gruppe von Anglern gehört. Wir breiten uns in der Nähe der Feuerstelle aus und kochen erstmal Kaffee nach dem Zeltaufbau. Miriam und ich gönnen uns auch noch ein reinigendes Bad im See.

Gegen dreiviertel sechs recherchiert Martin die Fußballergebnisse per I – Phone. Mit 4:0 haben wir Argentinien aus dem Turnier gekickt! Damit ist der Abend gerettet und wir köpfen die letzte Flasche Wein. Als wir gerade beim Abendessen sind, kommt eine Busladung mit dänischen Jugendlichen und campiert neben uns. Die sind etwas chaotisch aber auch sehr unterhaltsam.

Abends gehen wir uns auch noch einmal die Beine vertreten. Der Biwakplatz liegt direkt an einer Strasse, die wir ein Stück entlanggehen. Am Straßenrand wachsen viele Wildblumen und sogar Erdbeeren. Die wilden Früchte sind zwar ziemlich klein, aber sehr aromatisch.

Nachts werde ich ein paar Mal wach, da eine Gruppe Canadierfahrer umträgt. Wahrscheinlich verrückte Nachtpaddler oder so!

 


Dalsland-Kanal in Schweden

4.07. Miriam schreibt

Regen! In der Nacht habe ich es schon im Halbschlaf wahrgenommen: es regnet. Na ja, Martins Wettervorhersage (Dank I-Phone) hat bislang immer Wort gehalten. Da für heute auch noch Sonne angesagt ist, sind wir trotz Sauwetter guter Hoffnung. Ein schnelles Frühstück (ohne Kaffee!) im Zelt eingenommen, bei strömendem Regen die Boote beladen, los geht´s den Svartlang hinab! Laut Reiseführer der beliebteste See unter den Paddlern. Auch ich bin in freudiger Erwartung, habe ich doch sehr romantische Vorstellungen von diesem Gewässer (ähnlich angelegt wie ein Canyon, dachte ich). Na gut, er entpuppte sich dann doch eher als See, der halt ein See ist, wenn auch nicht so breit wie die Anderen. Vielleicht trägt das schlechte Wetter auch dazu bei, dass ich nicht so das Gefühl von „Oh, Toll!!!“ bekomme. Natürlich ist die Landschaft hier genauso schön wie woanders auch, aber eben nicht mehr besonders als woanders. Das einzig besondere heute ist, dass wir unseren ersten Elch sehen – leider nicht in einem Zustand, in dem wir uns das gewünscht hätten. Er liegt nämlich als Gerippe ohne Kopf und Vorderbeine am Rande des Ufers.

Tja, wilde Spekulationen machen die Runde, welches Schicksal den armen Freund wohl ereilt hatte. Gegen Mittag erreichen wir das Ende des Sees, mittlerweile ist es nur noch bedeckt, es regnet nicht mehr. Am Seeende wartet ein Stück Zivilisation in Form einer Imbissbude auf uns. Irgendwie kommt uns das so fremd vor, dass wir einen kurzen Mittagssnack einnehmen (eigene Brote) und dann schnell wieder in die Boote springen (zumal gerade eine Truppe von 24 Leuten ankommt und mit Aluschlurren einsetzten will – also schnell weg!). Wir paddeln dann 5 Kilometer zurück zu Biwakplatz 51, wo wir unser Lager für diesen Tag aufschlagen.

Nachdem die Zelte zum Trocknen aufgehängt sind, wir einen Kaffee getrunken und uns ausgeruht haben, kommt tatsächlich die Sonne heraus! Ab nun wird das Wetter wieder schön.

Im Laufe des Abends sehen wir dann noch einen Frosch, Fische, Haubentaucher, Reiher, Enten, Ameisen, Hummeln und Mücken! Heute Nacht schlafen wir wieder in der Schutzhütte. Toi, Toi, Toi dass es nicht regnet!

 


Dalsland-Kanal in Schweden

5.07. Martin schreibt

Heute lassen wir uns mal wieder etwas Zeit mit dem Aufstehen und dem Frühstücken. Zum einen, weil unser gestriger Aufbruch wegen des Regens so früh und so hektisch war. Zum anderen aber auch, weil wir die letzten Tage unserer Reise insgesamt etwas ruhiger angehen lassen wollen, um die Eindrücke noch einmal ganz tief einzusaugen.

Gestern Abend haben wir zu Viert auf einem kleinen Felsplateau neben der Schutzhütte gesessen und schweigend eine halbe Stunde das warme Licht der sinkenden Sonnegenossen, dass sich auf dem glatten See spiegelte. Wer solche Momente nicht genießen kann lebt am Leben vorbei!

Heute also eine überschaubare Etappe, allerdings mit 2 Umtragestellen. Kaum sind wir dann aber auf de

m Wasser, packt uns doch noch ein bisschen der Ehrgeiz. Die vielen Paddler, die ihre Tour am Vortag bei unserer Mittagspause begonnen hatten, waren nachmittags im Schneckentempo an unserem Biwakplatz vorbeigepaddelt. Es entbrannte eine rege Diskussion darüber, wie weit sie es wohl noch schaffen würden, und jetzt auf dem Wasser stellt sich die Frage, ob wir sie noch einholen würden.

Im Eiltempo durchpaddeln wir den Svardlang Richtung Norden, vorbei am toten Elch vom Vortag, bis wir bei bestem Wetter an der Umtragestelle und dem Biwakplatz ankommen, den wir gestern Morgen im strömenden Regen hinter uns gelassen haben. Bereits aus der Ferne erkennen wir die Truppe vom Vortag. Da die aber schon die meisten Boote umgetragen haben, stellen wir uns brav hinten an. Unmittelbar nach dem Umtragen hätten wir sie dann Überholen können, aber Karolin und Lars brauchen ja nach jeder Umtragestelle ewig, um sich wieder ins Boot zu Sortieren. Ach wie praktisch sind Canadier!

So starten wir ca. 15 Minuten nach unseren „Gegnern“ und trotzdem holen wir sie auf dem kurzen Stück bis zur nächsten „Kreuzung“ schon wieder ein, bevor wir nach Westen abbiegen. Hier, auf dem südlichen Zipfel des Västra Silen haben wir es mit einem ganz anderen Gegner zu tun, der uns auf dem Lelang noch beschäftigt: Gegenwind! Doch zunächst hießt es schon wieder Umtragen. Zum Glück über weitestgehend asphaltierte Strecken, aber dafür fast 1 Kilometer! Die Einsetzstelle begrüßt uns neben dem Wind zusätzlich mit hohen Wellen, die von Westen in die kleine Bucht drücken. Und wir müssen einmal quer über`n See! Während der Überfahrt gibt es den einen oder anderen bangen Augenblick, vor allem, als die Wellen plötzlich ohne ersichtlichen Grund aus mehreren Richtungen gleichzeitig kommen. Fetzen aus dem We-no-nah-Prospekt schießen mir durch den Kopf: Sundowner…Stehaufmännchen…

extrem trockener Lauf…fast unmöglich zu Kentern! Nun denn, die Hoffnung stirbt zuletzt, also weiterpaddeln! Letztlich ist dann nicht ein Tropfen Wasser ins Boot geschlagen und eigentlich war´s ein cooler Ritt!

Endlich am geplanten Biwakplatz angekommen besetzen wir sofort die Schützhütte.

Es ist schon deutlich mehr los, als noch vor einer Woche und wir wollen das Zelteaufbauen gern umgehen. Lieber noch einmal im Schlafsack liegend das faszinierende Licht einer Mittsommernacht genießen. Und tatsächlich wird uns am Ende eines langen (vom regelmäßigen Auftauchen eines motorbootfahrenden Anglers unterbrochenen) Lagerfeuerabends ein blau-rötlicher Testschein der Sonne geschenkt, während gleichzeitig der Mond sein Licht in den Spiegel des glatten Sees wirft.

 


Dalsland-Kanal in Schweden

6.07. Miriam schreibt

Nach einer (fast) ruhigen Nacht können wir uns heute Morgen richtig Zeit lassen, da unserer Fähre Richtung Heimat erst um Mitternacht den Hafen in Göteborg verlassen wird. Ausschlafen, reichhaltig frühstücken (quasi die restlichen Vorräte vernichten), langsam zusammenpacken und gegen Mittag lospaddeln, Richtung Bengtsfors. Guter Plan! Doch kurz bevor wir aufs Wasser gehen, können wir ein weiteres Naturphänomen“ beobachten (fast so toll wie der Motorbootfahrer am Abend davor): Ein netter Treckerfahrer kommt durch den Wald von hinten an unsere Schutzhütte angeschlichen, und lädt direkt hinter uns einen Hänger voll Brennholz ab (ratter, peng, krach!).

Da denkst du, du bist im Wald, fernab von jeglicher zivilisatorischen Gewalt, und dann das! Ein paar Bäume müssen zwar aufgrund der Rangierkünste des Fahrers ihr Leben lassen, aber irgendwoher muss das Brennholz ja kommen.
Nun, auf in die Boote, die letzte Etappe auf dieser Tour will auch noch gefahren werden. Irgendwie können wir es gar nicht so recht fassen, dass dieser Urlaub bald zu Ende sein sollte.
Auch der nette Fels, der Karolins und Lars Boot zwischendurch festhalten will (die beiden haben Glück gehabt, dass ihr Boot einen flachen Boden hat und sie genau mittig aufgesetzt sind, ansonsten: Wasser lässt grüßen!), kann nichts an der Tatsache ändern, dass bald Schluss ist.

Gegen halb 5 kommen wir am Campingplatz von Bengtsfors, unserem Ausgangspunkt, an. Schnell die Boote ausgeladen, noch einmal geduscht, auf nach Hause. Da wir uns unser Urlaubsfeeling noch nicht ganz kaputt machen wollen, beschließen wir, noch einen Abstecher zum Aquädukt in Haverud zu machen. Der Weg dahin ist die reinste Achterbahnfahrt, und das meine ich todernst! So eine Straße habe ich noch nie erlebt, ein Meisterwerk schwedischer Straßenbaukunst. Serpentinen in Norwegen sind dagegen gar nichts. Martin sagt bloß mit leuchtenden Augen, dass dies das Paradies auf Erden für jeden Motorradfahrer mit Anspruch sei! Ich bin nur froh, dass ich nicht kotzen muss.

In Haverud angekommen, nehmen wir uns die Zeit, um ein weiteres Meisterwerk schwedischer Wasserbaukunst ausgiebig zu bewundern.

Danach geht es zum Glück weniger rasant weiter Richtung Göteborg. Nachdem wir uns ein letztes Mal mit Proviant für die weitere Rückreise eindecken, kehren wir in ein uns wohlbekanntes Etablissement ein (leider in kein typisch schwedisches; die sehen nun mal überall gleich aus, „ich liebe es“ - Martin mehr als die anderen), um einen kleinen Abendsnack zu uns zu nehmen. Gegen 22.30 Uhr machen wir uns auf den Weg zum Fähranleger. Unsere Fähre ist pünktlich da. Wir versuchen, um wenigstens etwas Schlaf zu bekommen, uns einigermaßen gemütliche Plätze zu sichern. Platz gibt es auch, nur haben wir leider die „Fernsehlounge“ erwischt. So werden unsere Schlafversuche mit dem netten schwedischen Fernsehprogramm umrahmt, natürlich angemessen laut, damit auch unsere schwerhörigen Mitreisenden etwas davon haben!

Die weitere Rückfahrt durch Dänemark Richtung Hannover verläuft ohne größere Zwischenfälle, und somit beenden wir unseren Urlaub gegen Mittag auf der Terrasse des Kanu – Clubs mit einem Snack und einem kalten Getränk.
Auf jeden Fall sind wir uns alle einig: Dieser Urlaub war super erholsam und harmonisch, ein weiteres Mal Schweden folgt bestimmt!!!