11. August 2021

Medaillen in Dauerschleife

Finja Hermanussen (15) dominiert die Konkurrenz scheinbar nach Belieben

 

„200 Meter finde ich jetzt doch gar nicht mehr so schlecht“ hatte Finja Hermanussen (15, Kanu-Club Limmer) vor einem Jahr nach ihrem 3. Platz auf der Deutschen Meisterschaft im K2 mit Isabel Bautista Barroso (HKC Hannover) im damals älteren Jugend-Feld gesagt.
Spätestens seit Montag dürfte sich diese Aussage bestätigt haben – denn vom 08. – 11.08. fanden die diesjährigen Deutschen Meisterschaften der Schüler*innen und Jugendfahrer*innen in Hamburg Allermöhe statt.

Während es ihr Bruder Lasse (14) über die 500m Distanz im K1nicht in den Zwischenlauf schaffte, dominierte Finja den Zwischenlauf über 200m und wurde am Montag im Endlauf in einer fabelhaften Zeit von 00:44.10 neue deutsche Meisterin der Jugend (15 – 16 Jahre alt) – obwohl sie mit 15 Jahren zum jüngeren der beiden Jahrgänge gehörte.

Nach einer sehr kurzen Verschnaufpause von 45 min ging es für Finja auch schon wieder im K2 mit Karlotta Budimir (Kanu-Club Limmer, 15) über dieselbe Distanz an den Start. Und auch hier sollte es eine Medaille werden. In einem sehr knappen Schlussspurt sicherten sich Karlotta und Finja gemeinsam die Bronzemedaille hinter den Starterinnen aus Baden-Württemberg und Berlin.

Für den Endlauf im K1 über die 500m wurde ihr währenddessen mehr Verschnaufpause eingeräumt, da eine längere Mittagspause dazwischenlag. Immerhin 03:15 Std hatte sie zum Erholen, um danach im Hamburger Gewässer erneut nach einer Medaille zu fischen.

Dass die 3 Stunden reichen würden, bewies sie mit einem beherzten Rennen und einer trotz typischen rauem Hamburg-Wetter guten Zeit von 01:59.45, mit der sie eine weitere Goldmedaille nach Hannover holte. Anderthalb Stunden nach ihrer Gold-Fahrt über 500m im K1 folgte schon wieder das Rennen im K2 mit Karlotta Budimir über dieselbe Distanz. Hier mussten sie sich nur den Fahrerinnen von den Rheinbrüdern Karlsruhe geschlagen geben und holten sensationell den zweiten Platz.

Selbst der sonst so analytisch-nüchterne Trainer Jan Steuer, fand aufgrund der maximalen Medaillenausbeute sehr lobende Worte: „Das war schon echt unglaublich, wie sie das alles gefahren ist. Finjas Geheimrezept ist der explosive Start, der die anderen Fahrerinnen einfach stehen lässt - danach fährt sie nur noch ihr eigenes Rennen.“

Dass das längst noch nicht alles war, sollte sich am Mittwoch zeigen, wo Finja nochmals im K1 über die 1.000 m im Finale an den Start ging. Wenig überraschend gab es auch hier wieder eine Medaille, diesmal aber „nur“ die silberne.
Das wollte Finja nicht auf sich sitzen lassen – die Revanche gab es im Langstreckenrennen über 5.000 m, wo sie nicht nur Leni Kliment vom WVS2020 am BSP aus Karlsruhe hinter sich ließ, die die 1.000 m gewonnen hatte, sondern auch die ein Jahr ältere Lenja Wendt aus Magdeburg und erneut den ersten Platz belegte.

Derweil konnten Lasse Hermanussen (14 Jahre) im K1 und Henri Lahne und Jan Foc (beide 14 Jahre alt) im K2 über die 2.000 m Langstrecke auch etwas glänzen.
Lasse belegte mit knappen 3 Sekunden Abstand zu den Medaillenrängen Platz 4 , Henri und Jan wurden gute Fünfte.

Das macht insgesamt drei Goldmedaillen, zwei silberne und eine Bronzemedaille – solch eine Ausbeute für den Kanu-Club Limmer gab es zuletzt in den 90er Jahren, als die Sportlerinnen in der ehem. DDR aufgebaut wurden und anschließend für Limmer gefahren sind.
Umso mehr ist diese sportliche Leistung zu betonen, die Finja und Karlotta trotz „ganz normalem“ Schulalltag (vielleicht etwas Corona-dezimiert) und ohne Internat bewältigt haben.

Aufgrund dieser Leistungen hat sich Finja selbstredend für die Olympic Hope Games im tschechischen Racice Mitte September qualifiziert – und Landestrainer Jan Francik möchte sie bei sich trainieren lassen. Ob es dazu kommen wird, bleibt abzuwarten, ist aber anders als den Medien zu entnehmen ist, bislang noch nicht der Fall.

Um ein Fazit mit Finjas Worten zu ziehen: Das lief doch ganz gut.
Wir freuen uns auf weitere solcher tollen Ergebnisse.

Dass wir wahrscheinlich nicht mehr allzu lange darauf warten müssen, liegt an folgendem Kniff:

Aufgrund der Pandemie wurden die Meisterschaften geteilt und von Freitag bis Sonntag folgen dann die Junior*innen und Leistungsklasse-Fahrer*innen – mit Jan-Ole Prager, Jakob Thordsen (beide HKC Hannover), David Appelhans und Anton Budimir (beide Kanu-Club Limmer) starten dann auch hier einige Medaillen-Aspiranten aus Hannover!

Eine bleibt derweil einfach in Hamburg: Finja startet auch dieses Jahr wieder in der nächsthöheren Altersklasse und fährt mit Isabel Bautista Barroso im Mannschaftsboot und im Einer über die 500m und die 1000m Strecke – eigentlich ihre favorisierte Distanz; wenn sie nicht gerade die 200m gewinnt.

von links: Karlotta Budimir und Finja Hermanussen (beide 15, beide Kanu-Club Limmer) bei der Siegerehrung für den K2 über 500m Finja auf der Zielgerade zum Sieg bei ihrem Rennen über die 5.000 m

von links: Karlotta Budimir und Finja Hermanussen (beide 15, beide Kanu-Club Limmer) bei der Siegerehrung für den K2 über 500m / 

Finja auf der Zielgerade zum Sieg bei ihrem Rennen über die 5.000 m